Das Max und Moritz ist seit 1959 eine „Eckkneipe". Schwarz-Weiß-Fernsehen, Aufbruchstimmung nach dem Krieg und harte Arbeit machten Kneipen zum Ort des Gemeinschaftslebens. Zu 'nem Ort, an dem Abschalten möglich war…
Es wurde gewürfelt, Klapperjas oder Skat gespielt. „Beim Grang spielt man Ässe oder man hält die Fresse." So hieß es damals leider häufiger als heute. Skat stirbt wohl aus, sagen die letzten übergebliebenen Spieler in unserem Laden.
Die Kneipe war der Ort der sozialen Kontakte. Während des Frühschoppens wurden die politischen Meinungen ausgetauscht. Man war sich damals, wie heute, immer noch klar darüber, dass die Politik keine Ahnung hat vom echten Leben. Was heutzutage mehr stimmen mag als in der „guten alten Zeit", war aber nur eines der Themen von echten Unterhaltungen. Alles wurde bei gepflegtem Bier abgearbeitet: von Familie über Arbeit bis zu Urlaubsplänen und noch viel mehr.
Sonntags gab es um 12 Uhr noch den kostenlosen „Kirchenschnaps"… Nach der Kirche durfte der Mann noch in die Kneipe (angeblich). Sie waren alle da nach dem Kirchengang. Die Wirtin hat den kostenlosen Korn serviert. Und dann kam irgendwann, so die Legende, die Ehefrau, „die den Kerl aus der Kneipe zog, weil das Mittagessen auf dem Tisch stand". Wie gesagt: eine Legende… Oder doch nicht?
Tja, so eine Unterbrechung! Wo man gerade das Fußballergebnis vom Samstag intensiv analysierte!!!
Freitags erhielt der Mann seine Lohntüte. Nach Schichtende war der erste Ort, nein(!), nicht das Zuhause… Sondern: die Kneipe. Mit Kumpels und Freunden und Bier und Zigaretten… Um das Ende der Woche zu feiern. Legende, wieder: Diesmal kam die Ehefrau, „um den Kerl aus der Kneipe zu ziehen", weil das Abendessen(!) auf dem Tisch stand… Und am nächsten Tag soll das Erstaunen groß gewesen sein, weil von der Lohntüte vom Vortag nicht mehr so viel übrig war, wie erhofft… Und man ist trotzdem irgendwie durchgekommen.
In der Kneipe wurden die wichtigen Kontakte vermittelt. Der Kumpel half beim Anbau von 'nem neuen Waschbecken; die Truppe wurde zusammengetrommelt, um beim Umzug zu helfen. Hinterher ein Bier in der Kneipe. Jeder Umzug wurde nur in der Kneipe organisiert. „Wann soll ich wo sein?" Warte mal, die neue Waschmaschine schließe ich Dir an, kein Ding.
Gemeinsam machte man Fahrradtouren oder andere Ausflüge. Die Sparclub-Gemeinschaft war eingeschworen. Einmal los nach woanders hin… Irgendwer hat organisiert, die Gemeinschaft fuhr los. Und sie hatte eine schöne „Auswärtsfahrt" und kam nach einem gelungenen Wochenende zurück in die Kneipe. Noch ein Bier… Na ja, vielleicht noch ein Zweites… Oh ja. Jetzt geht's nach Hause… Ein letztes Bier noch, aber dann wirklich… Ist gerade echt schön hier in der Kneipe… Aber jetzt müssen wir wirklich…
(Das war nämlich dann die Zeit, 80er und 90er, als keine „Ehefrau" mehr mit Essen „drohte"… Zu der Zeit war die liebe Gattin nämlich dankenswerterweise mittlerweile dabei.) Weiter ging es: Na komm, Schatz, nun ist auch egal. Wir unterhalten uns gerade so gut mit allen. Du wolltest doch nach Hause, Liebste, wegen des Hundes! Aber Schatz! Ein Bier können wir noch.
Plötzlich ist es draußen hell und Montagmorgen. Weil man, Scheiße!, mit Freunden schon wieder die Zeit vergessen hatte. Der Weg nach Hause ist zu Fuß etwas länger geworden, als man ihn in Erinnerung hatte… Verkatert wacht man auf, macht sich frisch und geht oder fährt zur Arbeit… (besser: Gehen!) „Was für ein Scheißmontag!"
Abends noch kurz den Hund rausgeführt… Danach schnell noch Abendessen… „Mir geht's immer noch nicht gut." Sagt sie. „Tatsächlich? Dir auch nicht?" Sagt er. „Lass uns heute früh ins Bett gehen." Sagt sie. „Sehr, sehr gerne, Schatz." Sagt er. Bevor sie einschlafen, sagt einer der beiden noch: „War das nicht ein geiles Wochenende?" Und die andere Person sagt: „Worauf Du einen lassen kannst!!! Das hat sich gelohnt." „Schlaf gut." „Schlaf Du auch gut."
Beide hatten wohl am Wochenende Freunde getroffen. Eine gute Zeit gehabt. Eine Alternative zur Routine erlebt. Einmal die Zeit vergessen… Losgelassen vom Alltag. Montags ihre Arbeit gemacht…
Sparclub-Ausfahrten fanden nicht jedes Wochenende statt! Sie waren besondere Ereignisse. Was sie besonders machte, war, dass sich die gesamte Gemeinschaft darauf freute. Weil dann einmal alle zusammen waren, die sich immer nur mal hie und da in der Kneipe getroffen haben… Nie die gesamte Gruppe so wie auf einer Fahrt zusammen.
Nur ein kurzer Rückblick auf Kneipenleben seit über 60 Jahren. Das war gut. Das war alles echt schön. Das war sogar leichter. Und nun mein Versuch darzustellen, warum es immer noch – seit mehr als 13 Jahren – supergeil ist, diese Kneipe „Max und Moritz" haben zu dürfen.